Energiewende im Stromsektor – Anspruchsvolles Projekt mit großer Bedeutung

Was ist die Energiewende? Wie geht Deutschland damit um? Gibt es Unterschiede zu anderen Ländern? Was zeichnet die Energiewende aus?

Bisher sichern sich Menschen die Energieversorgung durch das Verbrennen fossiler Energieträger wie Erdöl, Kohle und Erdgas oder durch Kernenergie. Diese Technologien gelten als überholt. So setzt das Verbrennen fossiler Energieträger Kohlenstoffdioxid (CO2) frei, das den Treibhauseffekt befeuert und zum Klimawandel beiträgt. Zudem sind diese Rohstoffe endlich. Daneben haben die Unfälle in Tschernobyl und Fukushima gezeigt, welches unkalkulierbare Risiko mit dieser Technologie einhergeht. Die Lösung für diese Probleme soll die Energiewende sein. Doch was bedeutet das?

Energiewende: Definition

Die Energiewende ist der Übergang von nicht-nachhaltigen Technologien wie fossilen Energieträgern und Atomkraft hin zu nachhaltigen Technologien, die das ganze Spektrum der erneuerbaren Energien umfassen. Dazu zählen:

• Windenergie
• Wasserkraft
• Sonnenenergie
• Geothermie
• Bioenergie
• Meeresenergie

Energiewende Deutschland und weltweit

In Deutschland ist das Thema von großem Interesse. Das zeigen Demonstrationen wie „Fridays for Future”, die zunehmende Bedeutung der Thematik in fast allen Parteiprogrammen und der sprunghafte Aufstieg der Umweltpartei Bündnis 90/Die Grünen. Zwar hat die Bundesregierung in der Vergangenheit zahlreiche Gesetze und Verordnungen beschlossen, sodass Deutschland international als ein Vorreiter in Sachen Energiewende gilt, doch vielen Bürgern und Organisationen geht das noch nicht weit genug.

Neben Deutschland widmen sich weitere Staaten der Energiewende, darunter auch einige Schwellenländer. Jedoch geht jedes Land seine eigenen Wege. Manche sind erst am Anfang einer Entwicklung, während andere schon sehr fortgeschritten sind. Nicht überall verstehen die Menschen dasselbe unter dem Begriff Energiewende. Einige Staaten, darunter Großbritannien, halten beispielsweise weiter an der CO2-neutralen Atomkraft fest. Viele Staaten verfügten außerdem noch nie über Atomkraftwerke. Jede Energiewende ist also national ganz individuell.

Nutzen der Energiewende

Der Wandel dient vorrangig dem Umwelt- und Klimaschutz und damit dem Erhalt der Ökosysteme, der Arten und dem Lebensraum des Menschen. Es handelt sich um eine globale Aufgabe. Die Herausforderung dabei ist, weiterhin die hohe Nachfrage an Energie zu decken. Folgende Merkmale sollten Energiesysteme nach der Energiewende erfüllen:

• Klimafreundlichkeit
• geringes Risiko
• Zuverlässigkeit
• Bezahlbarkeit
• Unabhängigkeit von Energieimporten

Ziele der Energiewende in Deutschland

Die Bundesregierung plant, bis 2050 rund 80 Prozent des in Deutschland benötigten Primärenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. In 2019 ist der geplante Abschied von den konventionellen Energiequellen bereits fortgeschritten:

• der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid in der Industrie ist streng kontrolliert
• der Atomausstieg bis 2022 ist beschlossen
• der Kohleausstieg bis 2038 ist eingeleitet

Gleichzeitig spielt die Nutzung erneuerbarer Energiequellen eine immer größere Rolle – vor allem im Stromsektor. Allein zwischen den Jahren 2014 und 2018 nahm laut Berechnungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) hier der Anteil erneuerbarer Energien um 10,4 Prozent auf 37,8 Prozent zu. Wärme- und Transportsektor hinken da im Vergleich noch weit hinterher.

Wie setzt sich der in Deutschland produzierte Strom heute zusammen? Im Agorameter von „Agora Energiewende” kann jeder mit einer kleinen Verzögerung sehen, wie viel Strom aus welchen Quellen in verschiedenen Zeiträumen erzeugt wurde.

Kann Deutschland mit der Energiewende seine Klimaziele noch erreichen?

Der Klimaschutzbericht 2018 macht deutlich, dass Deutschland seine Ziele für 2020 deutlich verfehlen wird. Pläne der Bundesregierung sahen vor, die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 % gegenüber 1990 senken (Quelle). Tatsächlich werden jedoch voraussichtlich nur noch maximal 32 Prozent erreichbar sein. Deutschland kann sein wichtigstes Klimaziel also nicht erreichen. Dennoch verspricht die Bundesregierung, weiterhin dem Ziel verpflichtet zu sein und hat hierfür einen Klimaschutzplan 2050, der entsprechende Zwischen- und Sektorziele nennt, verabschiedet.

Weltweite Ziele der Energiewende

Wie setzen eigentlich andere Staaten die Energiewende um? Ein paar Beispiele:

 

Europa

Land Ziel
Belgien Atomausstieg bis 2025, Ausstieg aus Nutzung fossiler Energieträger bis 2050
Dänemark bis 2050 Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien
Frankreich Senkung der Treibhausgasemissionen, Reduzierung des Nutzung fossiler Energieträger um 50 % bis 2050, Schließung mehrerer Atom-Reaktoren bis 2025
Großbritannien Kohleausstieg bis 2025, Senkung des CO2-Ausstoßes um 80 % bis 2050, vollständige Abkehr von CO2-freien Energien im Stromsektor bis 2030
Norwegen plant vollständige CO2-Neutralität, Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025
Österreich Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien auf 100 % bis 2030
Schweiz plant Atomausstieg
Spanien Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien auf 100 % bis 2050, Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2050 um 90 %, plant Atomausstieg, ab 2040 keine Zulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor

 

 

Nord-, Mittel- und Südamerika

Land Ziel
Mexiko Anstieg des Anteils an erneuerbaren Energien im Stromsektor auf 50 % in 2050
USA Senkung des CO2-Ausstoßes um 80 % bis 2050, Anstieg des Anteils an erneuerbaren Energien bis 2050 auf 55 %

 

Südostasien

Land Ziel
China Senkung der CO2-Emissionen bis 2020 um 20 % seit 2015, Zunahme der Sonnenenergie-Produktion bis 2020 um 20 %, Stopp von über 100 Kohlekraftwerk-Bauprojekten
Indien vollständige Umstellung auf Elektrofahrzeuge bis 2030
Japan Senkung des Atomstromanteils auf 20 %
Südkorea  Atomausstieg bis 2060, Anstieg des Anteils an erneuerbaren Energien bis 2030 auf 20 %, Senkung des CO2-Ausstoßes um 37 % bis 2030, Schließung mehrerer Kohlekraftwerke bis 2021
Taiwan Atomausstieg bis 2025
Thailand Anstieg des Anteils an erneuerbaren Energien bis 2036 auf 30%

 

Ökonomische Betrachtung der Energiewende

Nach den Berechnungen des Instituts für Wettbewerbsökonomik der Universität Düsseldorf belaufen sich die Gesamtkosten für die Energiewende zwischen den Jahren 2000 und 2025 auf rund 520 Milliarden Euro. Der Durchschnittsbürger beteiligt sich mit rund 6.300 Euro, zum Beispiel in Form der EEG-Umlage. Die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz Umlage) ist ein jährlich festgesetzter Betrag, den Betreiber von Erneuerbaren Energien Anlagen für den Strom erhalten, den sie ins öffentliche Netz einspeisen. Dieser Betrag, derzeit 6,4 Cent pro kWh (2019), ist in den vom Endverbraucher gezahlten Strompreisen bereits enthalten.
Die tatsächlichen Kosten lassen sich kaum kalkulieren. Das verdeutlicht eine Aussage des ehemaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) im Jahr 2004. Er versicherte, die Energiewende koste den Bürger „nicht mehr als eine Kugel Eis pro Monat”. Bislang wurde ein Vielfaches des Betrags fällig. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten nach 2025 noch deutlich steigen.

Voraussetzungen für die Energiewende

Bei der Energiewende ist es neben der Finanzierung für Staaten von großer Bedeutung, dass der verfügbare Platz ausreicht, um den Wandel zu realisieren. Doch mit cleveren Lösungen lässt sich vorhandener Platz gut nutzen. Das beste Beispiel sind Hausbesitzer, die private Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern installieren.

Nach einer Studie des WWF („Zukunft Stromsystem II – Regionalisierung der erneuerbaren Stromerzeugung”) sind deutschlandweit 2 bis 2,5 Prozent der Landesfläche nötig, um den vollständigen Ausbau erneuerbarer Energien zu ermöglichen. Die Studie sagt ebenfalls aus, dass ausreichend Platz für die moderne Energieerzeugung in Deutschland zur Verfügung steht.

Daneben ist eine vollständige Energie-Infrastruktur mit modernen Netzen bis hin zu intelligenten Stromzählern in Haushalten nötig. Das kostet zwar Geld, schafft aber auch Arbeitsplätze. Die Bundesregierung erzwingt diverse Entwicklungen. Intelligente Stromzähler, die sogenannten Smart Meter, sind in Haushalten ab einem Verbrauch von über 10.000 Kilowattstunden und bei Erzeugern ab 7 kW installierter Leistung seit 2017 Pflicht – auch wenn sie noch nicht überall verbaut sind.

Probleme bei der Umsetzung

Die Energiegewinnung in Deutschland soll sich in Zukunft auf erneuerbare Energien stützen. Doch oft scheint die Sonne in Deutschland nicht und auch Wind ist nicht immer in ausreichenden Mengen vorhanden. Das führt dazu, dass bei einer vollständigen Energiewende die Stromversorgung in sonnen- oder windarmen Zeiten nicht gewährleistet ist. Dabei ist die Energiespeicherung zurzeit nur begrenzt möglich. Es ist vorstellbar, dass in Notzeiten zur Energieversorgung in Deutschland der Import von Atom- und Kohlestrom aus Nachbarländern nötig ist.

Weitere Herausforderungen sind:

• Widerstand der Einheimischen gegen den Bau von Windparks und Stromtrassen
• Fehlen notwendiger Stromtrassen von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee nach Süddeutschland
• hohe Kosten für unterirdische Stromleitungen

Was ist das Besondere an der Energiewende?

Das Besondere an der Energiewende im Stromsektor ist, dass wir von einem zentralen zu einem dezentralen Versorgungssystem wechseln. Das heißt, es gibt viele Prosumer, statt wenige große Erzeuger. Prosumer ist eine Wortzusammensetzung aus den englischen Begriffen „producer” und „consumer” und bezeichnet eine Person, die Waren oder Dienstleistungen sowohl produziert, als auch konsumiert. Zum Beispiel eine Eigenheimbesitzerin mit einer privaten PV-Anlage auf dem Dach, deren Strom nicht nur für die Versorgung des Haushaltes genutzt wird, sondern auch ins öffentliche Stromnetz eingespeist und vergütet wird.
Um eine Infrastruktur für diese dezentralen Energieflüsse zu schaffen, müssen für viel Geld die Netze ausgebaut werden. Vor allem, da auch die Lastzentren woanders liegen, als die Hauptproduzenten für Erneuerbare Energien (Stromproduktion im Norden, Lasten vor allem im Süden bzw. Westen).

Fazit

Mit der Energiewende werden ambitionierte Ziele für eine saubere, bezahlbare und sichere Energieversorgung verfolgt. Dabei hat Deutschland bereits immense Fortschritte gemacht, jedoch in den letzten Jahren mit einer eher ambitionslosen Energie- und Klimaschutzpolitik weniger erreicht, als vorgenommen. Mit den Pariser Klimaschutzabkommen, dem anvisierten Kohleausstieg und den aktuellen Überlegungen zur CO2-Steuer könnten jedoch neue Impulse gesetzt werden. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Bemühungen noch ausreichen.

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