Nach dem Mauerfall rief das Bundesministerium für Forschung und Technik im September 1990 das “1000-Dächer-Programm” ins Leben, um einen sinnvollen Ansatz zur Förderung netzgekoppelter PV-Anlagen mit kleiner Leistung zu erarbeiten. Hintergrund war eine zunehmend starke Umweltbewegung, die den Druck auf Bund und Länder erhöhte. In der Anfangsphase 1990 förderte Deutschland bei mehr als 4000 Solaranlagen die Anlagen- und Investitionskosten mit 70%. Das 1000-Dächer-Programm war ein zwischen 1990 und 1992 aktives Subventionsprogramm für PV-Anlagen, ursprünglich nur für Westdeutschland konzipiert und ein Jahr nach Start schließlich auf ganz Deutschland ausgedehnt wurde. Es war der weltweit erste wissenschaftliche Feldtest für diese Art von Anlagen, mit dem Hauptziel der Klärung der Vereinbarkeit von Nutzung der Sonnenenergie mit baulichen und architektonischen Gesichtspunkten - z.B. ob durch einen Wechselrichter Störungen im öffentlichen Stromnetz entstehen können.

70% Förderung und 10 000 Euro Investitionskosten

Gefördert wurden netzgekoppelte Anlagen von Privatpersonen zwischen 1-5 kW Standardleistung, die damals ohne Subvention einen durchschnittlichen Kaufpreis von etwa 30 000 Euro hatten. Die 70% Förderung der Material- und Investitionskosten setzte sich aus 50% Zuschuss vom Bund und 20% Zuschuss der Ländern zusammen, wobei es eine Quote für die Höchstzahl der zu fördernden PV-Anlagen gab. In der Anfangsphase des Programms gab es rund 60 000 Anfragen, woraus 4000 konkrete Anlagen resultierten, bei denen eine 70% Förderung für den Antragsteller ungefähr noch eine Summe von 10 000 Euro Investitionskosten entsprachen. Rendite warfen die Anlagen nicht ab, da zwar 1991 ein Stromeinspeisegesetz mit einer Vergütung von 8,5 Cent/kWh eingeführt wurde, die Stromentstehungskosten aus Photovoltaik damals aber noch mehr als 10 Mal so hoch waren. Antragsteller für das Subventionsprogramm waren deshalb vorrangig Idealisten und Umweltschützer, die sich als Pioniere der erneuerbaren und nachhaltigen Energien sahen.

Die Rahmenbedingungen

Voraussetzung war die Verwendung deutscher Modulhersteller, auch wenn die Module durchaus im Ausland hergestellt sein konnten. Die Anlagen musste spätestens 1993 ihren Betrieb aufnehmen und über drei Stromzähler verfügen: einen Erzeugungszähler, einen Einspeisezähler und einen Bezugszähler. Die Anlagenbetreiber mussten sich außerdem verpflichten für fünf Jahre monatlich die Zähler abzulesen und quartalsweise an das Frauenhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg zu faxen. Die Teilnehmer erhielten so jährliche Ertragsergebnisse ihrer PV-Anlagen. Erwähnenswert ist, dass es selbst im Jahr 2008 noch ungefähr 50 PV-Pioniere gab, die immer noch ihre Quartalsdaten an das ISE sendeten, obwohl das Programm längst abgelaufen war. Nach 1992 dauerte es fünf Jahre, bis das 100 000-Dächer-Programm als ernstzunehmender Nachfolger realisiert wurde.

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