Autarkie & Eigenverbrauch bei Photovoltaikanlage

Der hohe finanzielle Anreiz, den einst die Einspeisevergütung für die Einspeisung von Solarstrom ins Stromnetz darstellte, nahm in den letzten Jahren kontinuierlich ab. Welche Voraussetzungen für die Rentabilität von Eigenverbrauch oder Einspeisung gegeben sind, will genau überprüft sein. Vor- und Nachteile abzuwägen ist der erste Schritt, um künftig wirtschaftlich sinnvoll die Photovoltaik (PV) für den Eigenverbrauch zu nutzen.



Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkie

Vielfach werden die Begriffe Eigenverbrauch und Autarkie synonym verwendet. Obwohl sie eng verwandt sind, ist dies nicht ganz korrekt.

  • Wird die PV-Anlage für den Eigenverbrauch genutzt, bedeutet das schlicht, dass ein gewisser Anteil des erzeugten Solarstroms selbst verbraucht wird.

  • Der Eigenverbrauchsanteil beziffert diesen Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, der vom Erzeuger direkt oder mittels Aufladen eines Stromspeichers verbraucht wird. Der Rest wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

  • Der Autarkiegrad ist der Anteil des Stromverbrauchs, der durch ein Solarstrom-Speichersystem abgedeckt wird und somit nicht vom öffentlichen Stromnetz abhängt. Je nach Größe der Photovoltaikanlage und des Stromspeichers und je nach Höhe und zeitlicher Verteilung des Stromverbrauchs kann der Autarkiegrad, genau wie der Eigenverbrauchsanteil, variieren.

  • Ein Autarkiegrad von 100%, also absolute Unabhängigkeit (Autarkie), wird nur bei Photovoltaik-Inselanlagen erreicht. Bei netzgekoppelten Photovoltaikanlagen, die eine Einspeisung ins öffentliche Stromnetz ermöglichen, ist der Autarkiegrad deutlich niedriger.

Gibt es eine Vergütung für den Eigenverbrauch?

Um den Einsatz von Photovoltaikanlagen zu fördern und die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien auszubauen, wurde im Jahre 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verabschiedet. In ihm ist eine Einspeisevergütung geregelt, die Du für den Ökostrom bekommst, den Du ins öffentliche Stromnetz einleitest.

Eine Vergütung für den Eigenverbraucht gibt es somit nicht mehr. Eine entsprechende Entlohnung gab es für kurze Zeit; sie entfiel jedoch durch die Gesetzesnovelle zum EEG 2012. Wer seine Anlage nach diesem Zeitpunkt in Betrieb genommen hat, geht hier leider leer aus.

Wie viel kostet der Eigenverbrauch von Solarstrom?

Natürlich bekommst Du den Sonnenstrom von Deinem Dach praktisch kostenlos. Du kannst jedoch die Kosten Deiner Photovoltaikanlage ins Verhältnis zu der in ihrer Lebenszeit produzierten Strommenge setzen. So kannst Du sehen, wie viel Geld Du im Vergleich zu den regulären Stromkosten sparst. Das Stichwort lautet hier Stromgestehungskosten.

Um diese zu berechnen, müssen sämtliche Ausgaben veranschlagt werden. Dazu gehören Anschaffungs- und Montagekosten für die PV-Anlage, der regelmäßige Unterhalt sowie notwendige Reparaturen. Wird dieser Betrag durch die erzeugten Kilowattstunden dividiert, ergeben sich die Stromkosten pro Kilowattstunde.

Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer ISE zahlst Du je nach Größe Deiner Aufdachanlage und je nachdem, ob Du einen Speicher hast, oder nicht, etwa 5 bis 20 Cent pro erzeugte Kilowattstunde. Wenn Du diesen Solarstrom selbst verbrauchst, anstatt ihn vom Energieversorger zu kaufen, sparst Du also einiges: Die regulären Stromkosten liegen derzeit bei über 37 Cent pro bezogener Kilowattstunde: Mehr als 30 Cent Ersparnis pro Kilowattstunde sind also insgesamt drin! Das summiert sich im Laufe der Lebenszeit Deiner PV-Anlage auf eine beachtliche Summe.

Lohnt sich Eigenverbrauch mehr als Einspeisung?

Ob sich eine PV-Anlage für den Eigenverbrauch lohnt, hängt von ihrer Inbetriebnahme und der Kapazität ab. Die Höhe der dadurch entstandenen und bis zum 31. März 2020 noch entstehenden Einspeisevergütung richtet sich nämlich nach diesen beiden Kriterien. Nicht zuletzt spielen auch Anschaffungs- und Betriebskosten eine Rolle bei der Abwägung.

Vorteile Nachteile
Der bundesweite Durchschnitt für ein Kilowattstunde Strom aus den Betreibernetzen liegt seit 2019 laut Statistik der Bundesnetzagentur bei 30,5 Cent. Wer an Einspeisevergütung deutlich weniger erhält, die Photovoltaikanlage bereits abgeschrieben und nur niedrige Betriebskosten hat, für den lohnt sich der Eigenverbrauch. Wer seine PV-Anlage zu einem Zeitpunkt in Betrieb genommen hat, in der eine hohe Einspeisevergütung bezahlt wurde, muss sein Vorhaben gut durchrechnen. Nicht nur die Einspeisevergütung fällt weg, sondern Gestehungskosten für die Stromerzeugung sind ebenfalls zu tragen.
Für den Eigenverbrauch spricht neben ökologischen Faktoren wie “erneuerbarer Strom”, “ohne Atomkraft und Kohle”, dass eine teilweise oder völlige Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz erreicht werden kann. Dies ist besonders von Vorteil, wenn die Anbindung an ein Stromnetz erst noch geschaffen werden müsste. Strebst Du eine völlige Autarkie an, kann es bei länger anhaltenden Störungen der Solaranlage zu Problemen kommen. Eben mal schnell ins Netz der regulären Anbieter zu wechseln ist nicht immer möglich.
Den Strom für Deinen Eigenbedarf kannst Du speichern. Damit bist Du weniger von der Witterung abhängig. Damit PV den Eigenverbrauch abdeckt und eine völlige Autarkie geschaffen werden kann, musst Du dennoch die Anlage großzügig planen. Als Stromerzeuger*in bist Du Unternehmer*in, auch wenn Du den gewonnenen Strom selbst verbrauchst. Sofern Du nicht die Kleinunternehmerregelung – bei einem jährlichen Umsatz von bis zu 17.500 € – in Anspruch nehmen kannst, musst Du Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch zahlen.

Rentabilität der Photovoltaikanlage

Um die Rentabilität der PV-Anlage zu errechnen, ist es erforderlich, sämtliche Kosten gegen die Stromersparnis aufzurechnen: Anschaffungs-, Montage- und Betriebskosten, sowie Wartung, Reparaturen, Umsatzsteuer und die entgehende Einspeisevergütung.

Nicht vergessen solltest Du in Deinem Überschlag, dass sich Dein Vorhaben langjährig rentieren soll. Um Dich gegen mögliche, unerwartete Schäden abzusichern, empfehlen wir Dir, dich um einen entsprechenden Versicherungsschutz zu kümmern. Einen Leitfaden hierzu haben wir in diesem Artikel für Dich zusammengestellt. 

Andererseits darfst Du davon ausgehen, dass die Strompreise in den nächsten Jahren eher steigen als sinken. Zwar sieht das Wirtschaftsinstitut Prognos in seiner vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gegebenen Vorhersage nur einen geringen Anstieg voraus. Aber auch der kann beim Eigenverbrauch positiv zu Buche schlagen.

Vergleich Einfamilienhaus mit und ohne Eigenverbrauch

Ein angenommener Jahresverbrauch von 3.000 kWh ist für eine Familie realistisch. Geht man vom derzeitigen Durchschnittspreis von 30,5 Cent pro Kilowattstunde aus, ergibt dies einen Betrag von 915 € pro Jahr.

Wird die Solaranlage für den Eigenverbrauch genutzt, so belaufen sich diese Stromkosten bei einem Preis von 11 – 13 Cent für die Eigenproduktion, die Focus recherchierte, auf jährlich 330 – 390 €.

Stromzähler (Einspeisezähler + PV-/Bezugszähler)

Nicht nur für die Einspeisevergütung, sondern auch für die Hochrechnung, ob sich die Umstellung auf reinen Eigenverbrauch lohnt, ist ein Stromzähler für Dich unerlässlich. Als einfaches Modell, das Du selber günstig erwerben kannst, hält der Einspeisezähler nur die Strommenge fest, die Du ins jeweilige Betreibernetz einspeist.
Ein Zweirichtungszähler, der sowohl den Bezug Deines Stroms von einem Betreiber als auch die Einspeisung von Solarstrom festhält, muss in der Regel vom PV-Betreibenden gemietet werden. Er hat allerdings den Vorteil, dass für Fehlerbeseitigung im Zählwerk der Stromversorger zuständig ist. Ist dagegen Dein eigener Zähler defekt, entfällt die Vergütung für die Einspeisung, da sie nicht nachgewiesen werden kann.

Photovoltaik für den Eigenverbrauch optimieren

Ideal für den Eigenverbrauch wäre es, die PV-Anlage so zu bemessen, dass der komplette Energiebedarf gedeckt werden kann. Mit einer Solaranlage mit drei bis vier Kilowatt Peak Leistung kann der Stromverbrauch für eine durchschnittliche Familie erzeugt werden.

Allerdings unterliegt die Stromerzeugung durch Sonnenenergie starken Schwankungen, zumindest in unseren Breitengraden. Lange Regenperioden, Nebeltage und trübe Winter schränken die Gewinnung ein oder machen sie gar unmöglich.

Photovoltaik für Energieautarkie ausreichend?

Noch werden die wenigsten Solaranlagen betrieben, um eine absolute Autarkie in Sachen Energie zu erreichen. Einzelne Konzepte, aber bereits auch erste Siedlungen machen vor, dass dies durchaus machbar ist. Meist sind wirtschaftliche Abwägungen der Grund, warum dieser Schritt dennoch nicht gewagt wird.

Ist Energieautarkie grundsätzlich möglich?

Vollkommene Eigenversorgung mit Strom ist theoretisch zwar möglich, praktisch aber kaum umsetzbar, vor allem in Deutschland. Man bräuchte eine extrem überdimensionierte PV-Anlage mit sehr großem Speicher, um bei jeder Wetterlage versorgt zu sein. Das setzte ein entsprechend großes Dach und Portemonnaie voraus. Durchaus machbar ist ein Autarkiegrad von etwa 75 %.

Was bräuchte man dafür?

  • Batterien
  • Speicher
  • Wärmepumpen

Nur wenn die Kapazität der Solarstromanlage voll ausgeschöpft werden kann, ist Stromerzeugung für den Eigenbedarf rentabel. 

Stromspeicher und Solarakkus mit einer ausreichenden Speichergröße nehmen momentan nicht benötigten Strom auf. So geht die Überproduktion nicht verloren, sondern wird zu einem späteren Zeitpunkt für den Eigenverbrauch wieder zur Verfügung gestellt. Photovoltaikspeicher können sich je nach Region rasch amortisieren, wenn Anschaffungskosten und Nutzen genau abgewägt werden. 

Teure Batteriespeicher zahlen sich zumindest dann aus, wenn Du nur noch eine geringe Einspeisevergütung zu bekommen hättest und deshalb vorrangig Solarstrom für den Eigenverbrauch gewinnen möchtest. Einzelne Bundesländer und Städte gewähren nach wie vor Fördermittel für die Anschaffung von Stromspeichern.

Speicher für Solarthermie unterstützen Dich ebenfalls auf Deinem Weg in die Unabhängigkeit von Energieversorgern. Über Kollektor und Solarregler fließt die gewonnene Energie in den Speicher. Das auf diese Weise erzeugte warme Wasser dient dem Betrieb der Heizung und der Warmwasserversorgung.

Wärmepumpen als weiteres Glied in der Kette leisten einen wesentlichen Beitrag, den Eigenverbrauch an Energie zu 100 % zu decken. Der für den Betrieb der Wärmepumpen notwendige Strom wird ebenfalls aus Solarenergie gewonnen. So sorgst Du für eine effizientere Nutzung des Solarstroms.

Was ist eine gute Autarkiequote und wie kannst Du diese erreichen?

Eine gute Autarkiequote für PV-Anlagen ohne Speicher liegt bei circa 30 – 40 %. Mit einem Stromspeicher hingegen sind auch bis zu 80 % möglich. Dass diese Quoten nicht höher ausfallen, liegt meist daran, dass im Winter in der Regel nicht genug Solarstrom produziert wird, um den gesamten Stromverbrauch zu decken und Strom in der Regel eher in den Abend- und Morgenstunden verbraucht wird, wenn die Solarnlage nicht viel produziert. In den Sommermonaten ist es aber durchaus möglich nahezu den gesamten Strombedarf mit einer PV-Anlage zu decken.

Das bringt uns zu einem weiteren wichtigen Punkt. Möchte ich eine hohe Autarkiequote erreichen, ist nicht nur die richtige Dimensionierung der Anlage und gegebenenfalls des Speichers wichtig, sondern auch mein Anpassung meines Verbrauchsverhalten an die Produktion der PV-Anlage. Für viel Eigenverbrauch und eine hohe Autarkiequote ist es also gut, Verbraucher wie beispielsweise eine Waschmaschine oder Klimaanlage am Tag laufen zu lassen, wenn die Anlage ohnehin viel Strom produziert.

Wie berechnet sich die Autarkiequote?

Beispiel

Herr Mustermann verbraucht im Jahr 3.500 kWh Strom, produziert mit seiner Solaranlage 2.500 kWh/Jahr und speist 1.500 kWh/Jahr ins örtliche Stromnetz ein. Das bedeutet also, dass er 1.000 kWh/Jahr für seinen eigenen Energiebedarf nutzt.

  • Eigenverbrauch = 1.000 kWh/Jahr / 2.500 kWh/Jahr = 0,4 = 40 %
  • Autarkie = 1.000 kWh/Jahr / 3.500 kWh/Jahr = 0,29 = 29%.

Welche Alternativen gibt es?

Reicht die Energiegewinnung aus der Solaranlage für den Eigenverbrauch nicht für Haushaltsstrom und Wärmesysteme aus, kannst Du Dich dennoch vom Stromnetz unabhängig machen. Der Bezug von Nah- oder Fernwärme sowie die Pelletheizung wären sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht eine sinnvolle Ergänzung zur Energiegewinnung durch Solartechnik.

Zukünftige Entwicklungen

Die teilweise angeläutete, aber immer noch ausbaufähige Energiewende setzt auf eine dezentrale Versorgung. Die Energieversorgung 4.0 sieht bereits jetzt schon eine Kombination aus regenerativen Blockheizkraftwerken, Wind- und Sonnenenergie vor. 

Atomstrom steht hoffentlich bald vor dem endgültigen Aus, und fossil betriebene Blockheizkraftwerke haben eine eher ungewisse Zukunft vor sich. Eine neue Vernetzung ist deshalb wichtig. Sie basiert auf regenerativen Stromerzeugern und ausreichend Speichermöglichkeiten der gewonnenen Energie für kurz- sowie langfristigen Bedarf.

Fazit

Wer klug rechnet und dabei vor allem die persönliche Situation genau betrachtet, entscheidet bei der Wahl seiner künftigen Energieversorgung richtig. Die Sicherung des Eigenverbrauchs bei Strom und vielleicht sogar die vollkommene Autarkie bei der Energieerzeugung will jedoch von allen Seiten betrachtet werden.

Da die Einspeisevergütung nicht mehr den Hauptanreiz darstellt, zählen vor allem die Ersparnis an Stromkosten, die Unabhängigkeit von Betreibernetzen und das Umweltbewusstsein bei der Entscheidung für Deine zukünftige Stromversorgung. Welchen Weg Du, in Anbetracht der politischen Entwicklung und dem Entstehen neuer Technologien, gehst, entscheidest Du, heute wie morgen.


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