Photovoltaik – Eigenverbrauch und der Weg zur Autarkie

Der hohe finanzielle Anreiz, den einst die Einspeisevergütung für die Einspeisung von Solarstrom ins Stromnetz darstellte, nahm in den letzten Jahren kontinuierlich ab. Welche Voraussetzungen für die Rentabilität von Eigenverbrauch oder Einspeisung gegeben sind, will genau überprüft sein. Vor- und Nachteile abzuwägen ist der erste Schritt, um künftig wirtschaftlich sinnvoll die Photovoltaik für den Eigenverbrauch zu nutzen.

Was versteht man unter Eigenverbrauch?

Primär ist es Gleichstrom, der bei der Photovoltaik erzeugt wird. Über Wechselrichter wird der Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und dient so im Hausnetz für die Versorgung der eigenen Elektrogeräte. Alternativ kann der erzeugte Strom – oder der nicht benötigte Überschuss – ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkie

Vielfach werden diese beiden Begriffe synonym verwendet. Dies passiert deshalb, weil Eigenverbrauch und Autarkie eine gemeinsame Basis haben. Bei beiden geht es um ein Erzeugnis, das dem Nutzer eine gewisse Unabhängigkeit bringt.

Wird die Photovoltaikanlage für den Eigenverbrauch genutzt, sagt dies jedoch noch nicht aus, wie viel des erzeugten Stroms dem eigenen Haushalt oder Betrieb dient. Autarkie bedeutet dagegen, dass der Besitzer der Solaranlage den Eigenverbrauch komplett mit der selbst erzeugten Energie abdecken kann.

Wie sieht die Vergütung aus – gibt es eine Förderung?

Um den Einsatz von Photovoltaikanlagen zu fördern und die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien auszubauen, hatte die Regierung am 1. April 2000 das EEG (Erneuerbare Energiengesetz) verabschiedet. In ihm war eine Einspeisevergütung geregelt, die für erzeugten und dem allgemeinen Stromnetz zugeführten Strom bezahlt wurde.

Die Einspeisevergütung für selbst verbrauchten Strom können jedoch nur diejenigen in Anspruch nehmen, deren Anlage zwischen dem 1.1.2009 und 31.3.2012 in Betrieb ging. Wer vor dieser Zeit oder danach seine Anlage in Betrieb genommen hat, besitzt kein Anrecht auf die Zahlung einer Vergütung des Eigenverbrauchs.

Eine Ausnahme bestätigt jedoch die Regel: Nach dem EEG 2017 gibt es für Strom, der an Mieter weitergeleitet wird, unter bestimmten Voraussetzungen eine Zahlung:

Der sogenannte Mieterstromzuschlag laut § 18 Abs. 1 Nr. 1 EEG 2017 wird für Strom aus Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von bis zu 100 kW bezahlt, wenn die Solaranlage auf dem Gebäude angebracht ist, in dem der Mieter wohnt.

Auch für Wohngebäude oder Nebenanlagen, die im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang stehen, wird der Mieterstromzuschlag bezahlt, wenn er ohne Durchleitung durch ein Netz den Endverbraucher, sprich Mieter, erreicht.

Stromkosten – Eigennutzung

Um die Stromkosten für die Eigennutzung zu errechnen, müssen sämtliche Ausgaben veranschlagt werden: Anschaffungs- und Montagekosten für die Photovoltaikanlage laut Abschreibung, der regelmäßige Unterhalt der Anlage sowie notwendige Reparaturen und anfallende Erneuerungen.

Werden diese Beträge jährlich durch die erzeugten Kilowattstunden dividiert, ergeben sich die Stromkosten pro Kilowattstunde Eigenverbrauch.

Einspeisevergütung

Der Anfall der Einspeisevergütung wurde im Jahre 2000 für 20 Jahre festgeschrieben. Das alte Modell läuft somit 2020 aus. 2005 betrug die Vergütung pro kWh 54,53 Cent, 2010 noch 39,14 Cent. Bei einer Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage am 01.12.2019 sind es bei einer Leistung bis 10 kWP nur noch 9,97 Cent.

Streichung Eigenverbrauchsvergütung 2012

Die Clearingstelle EEG KWKG führt die unterschiedlichen Auswirkungen der Gesetzesnovelle zum EEG 2012 an. Abhängig davon, wo die Photovoltaikanlagen errichtet worden sind, sind seither starke Einschränkungen bei der Einspeisevergütung in Kauf zu nehmen. Die Eigenvergütung entfiel durch die Gesetzesänderung zum 01.04.2012. Wer seine Anlage nach diesem Zeitpunkt in Betrieb genommen hat, geht hier leer aus.

Wie sieht die weitere Entwicklung der Einspeisevergütung aus?

Die Degression erreicht zu Jahresanfang 2020 ihren Tiefstand. Derzeit müssen Interessenten davon ausgehen, dass nach Ablauf der festgeschriebenen 20 Jahre ab 01.04.2020 keine Einspeisevergütung mehr gezahlt wird.

Gefördert werden sollen Betreiber, und auch der Mieterstromzuschlag bleibt voraussichtlich erhalten, wie nach dem EEG 2017 durch die Bundesnetzagentur bestätigt wird. Fördermittel der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in Form eines günstigen Kredits werden nach wie vor für die Errichtung einer PV-Anlage vergeben.

Lohnt sich Eigenverbrauch mehr als Einspeisung?

Ob sich eine PV-Anlage für den Eigenverbrauch lohnt, hängt von ihrer Inbetriebnahme und der Kapazität ab. Die Höhe der dadurch entstandenen und bis zum 31. März 2020 noch entstehenden Einspeisevergütung richtet sich nämlich nach diesen beiden Kriterien. Nicht zuletzt spielen auch Anschaffungs- und Betriebskosten eine Rolle bei der Abwägung.

Vorteile Nachteile
Der bundesweite Durchschnitt für ein kWh Strom aus den Betreibernetzen liegt seit 2019 laut Statistik der Bundesnetzagentur bei 30,5 Cent. Wer an Einspeisevergütung deutlich weniger erhält, die Photovoltaikanlage bereits abgeschrieben und nur niedrige Betriebskosten hat, für den lohnt sich der Eigenverbrauch. Wer seine PV-Anlage zu einem Zeitpunkt in Betrieb genommen hat, in der eine hohe Einspeisevergütung bezahlt wurde, muss sein Vorhaben gut durchrechnen. Nicht nur die Einspeisevergütung fällt weg, sondern Gestehungskosten für die Stromerzeugung sind ebenfalls zu tragen.
Für den Eigenverbrauch spricht neben ökologischen Faktoren wie “erneuerbarer Strom”, “ohne Atomkraft und Kohle”, dass eine teilweise oder völlige Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz erreicht werden kann. Dies ist besonders von Vorteil, wenn die Anbindung an ein Stromnetz erst noch geschaffen werden müsste. Streben Sie eine völlige Autarkie an, kann es bei länger anhaltenden Störungen der Solaranlage zu Problemen kommen. Eben mal schnell ins Netz der regulären Anbieter zu wechseln ist nicht immer möglich.
Den Strom für Ihren Eigenbedarf können Sie speichern. Damit sind Sie weniger von der Witterung abhängig. Damit PV den Eigenverbrauch abdeckt und eine völlige Autarkie geschaffen werden kann, müssen Sie dennoch die Anlage großzügig planen. Als Stromerzeuger sind Sie Unternehmer, auch wenn Sie den gewonnenen Strom selbst verbrauchen. Sofern Sie nicht die Kleinunternehmerregelung – bei einem jährlichen Umsatz von bis zu 17.500 Euro – in Anspruch nehmen können, müssen Sie Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch zahlen.

Rentabilität der PV-Anlage

Um die Rentabilität der Photovoltaikanlage zu errechnen, ist es erforderlich, sämtliche Kosten gegen die Stromersparnis aufzurechnen: Anschaffungskosten, Montage, Betriebskosten wie Wartung, Reparaturen, Umsatzsteuer und die entgehende Einspeisevergütung.

Nicht vergessen sollten Sie in Ihrem Überschlag, dass sich Ihr Vorhaben langjährig rentieren soll. Um sich gegen mögliche, unerwartete Schäden abzusichern, empfehlen wir Ihnen, sich um einen entsprechenden Versicherungsschutz zu kümmern. Einen Leitfaden hierzu haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengestellt. 

Andererseits dürfen Sie davon ausgehen, dass die Strompreise in den nächsten Jahren eher steigen als sinken. Zwar sieht das Wirtschaftsinstitut Prognos in seiner vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gegebenen Vorhersage nur einen geringen Anstieg voraus. Aber auch der kann beim Eigenverbrauch positiv zu Buche schlagen.

Vergleich Einfamilienhaus mit und ohne Eigenverbrauch

Ein angenommener Jahresverbrauch von 3.000 kWh ist für eine Familie realistisch. Geht man von einem derzeitigen Durchschnittspreis von 30,5 Cent pro kWh aus, ergibt dies einen Betrag von 915 Euro pro Jahr.

Wird die Photovoltaikanlage für den Eigenverbrauch genutzt, so belaufen sich diese Stromkosten bei einem Preis von 11 bis 13 Cent für die Eigenproduktion, die Focus recherchierte, auf jährlich 330 bis 390 Euro.

Stromzähler (Einspeisezähler + PV-/Bezugszähler)

Nicht nur für die Einspeisevergütung, sondern auch für die Hochrechnung, ob sich die Umstellung auf reinen Eigenverbrauch lohnt, ist ein Stromzähler unerlässlich. Als einfaches Modell, das Sie selber günstig kaufen können, hält der Einspeisezähler nur die Strommenge fest, die Sie ins jeweilige Betreibernetz einspeisen.
Ein Zweirichtungszähler, der sowohl den Bezug Ihres Stroms von einem Betreiber als auch die Einspeisung von Solarstrom festhält, muss in der Regel vom Betreiber gemietet werden. Er hat allerdings den Vorteil, dass für Fehlerbeseitigung im Zählwerk der Stromversorger zuständig ist. Ist dagegen Ihr eigener Zähler defekt, entfällt die Vergütung für die Einspeisung, da sie nicht nachgewiesen werden kann.

Photovoltaik für den Eigenverbrauch optimieren

Ideal für den Eigenverbrauch wäre es, die Anlage so zu bemessen, dass der komplette Energiebedarf gedeckt werden kann. Mit einer 3 bis 4 kWp-Anlage kann der Stromverbrauch für eine durchschnittliche Familie erzeugt werden.

Allerdings unterliegt die Stromerzeugung durch Sonnenenergie starken Schwankungen, zumindest in unseren Breitengraden. Lange Regenperioden, Nebeltage und trübe Winter schränken die Gewinnung ein oder machen sie gar unmöglich.

Photovoltaik für Energieautarkie ausreichend?

Noch werden die wenigsten Solaranlagen betrieben, um eine absolute Autarkie in Sachen Energie zu erreichen. Einzelne Konzepte, aber bereits auch erste Siedlungen machen vor, dass dies durchaus machbar ist. Meist sind wirtschaftliche Abwägungen der Grund, warum dieser Schritt dennoch nicht gewagt wird.

Ist Energieautarkie grundsätzlich möglich?

Vollkommene Eigenversorgung mit Strom ist theoretisch zwar möglich, praktisch aber kaum umsetzbar, vor allem in Deutschland. Sie bräuchten eine extrem überdimensionierte Anlage mit sehr großem Speicher, um bei jeder Wetterlage versorgt zu sein. Das setzte ein entsprechend großes Dach und Portemonnaie voraus. Durchaus machbar ist ein Autarkiegrad von etwa 75%.

Was bräuchte man dafür?

  • Batterien
  • Speicher
  • Wärmepumpen

Nur wenn die Kapazität der Solarstromanlage voll ausgeschöpft werden kann, ist Stromerzeugung für den Eigenbedarf rentabel. 

Solarbatterien und Solarakkus mit einer ausreichenden Speichergröße nehmen momentan nicht benötigten Strom auf. So geht die Überproduktion nicht verloren, sondern wird zu einem späteren Zeitpunkt für den Eigenverbrauch wieder zur Verfügung gestellt. Speicherbatterien können sich je nach Region rasch amortisieren, wenn Anschaffungskosten und Nutzen genau abgewägt werden. 

Teure Speicher zahlen sich zumindest dann aus, wenn Sie nur noch eine geringe Einspeisevergütung zu bekommen hätten und deshalb vorrangig Solarstrom für den Eigenverbrauch gewinnen möchten. Einzelne Bundesländer und Städte gewähren nach wie vor Fördermittel für die Anschaffung von Solarspeichern.

Speicher für Solarthermie unterstützen Sie ebenfalls auf Ihrem Weg in die Unabhängigkeit von Energieversorgern. Über Kollektor und Solarregler fließt die gewonnene Energie in den Speicher. Das auf diese Weise erzeugte warme Wasser dient dem Betrieb der Heizung und der Warmwasserversorgung.

Wärmepumpen als weiteres Glied in der Kette leisten einen wesentlichen Beitrag, den Eigenverbrauch an Energie zu 100 % zu decken. Sie sorgen für eine höhere Effizienz der Speicher. Der für den Betrieb der Wärmepumpen notwendige Strom wird ebenfalls aus Solarenergie gewonnen.

Welche Alternativen gibt es?

Reicht die Energiegewinnung aus der Solaranlage für den Eigenverbrauch nicht für Haushaltsstrom und Wärmesysteme aus, könnten Sie sich dennoch vom Stromnetz unabhängig machen. Der Bezug von Nah- oder Fernwärme sowie die Pelletheizung wären sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht eine sinnvolle Ergänzung zur Energiegewinnung durch Solartechnik.

Zukünftige Entwicklungen

Die teilweise angeläutete, aber immer noch ausbaufähige Energiewende setzt auf eine dezentrale Versorgung. Die Energieversorgung 4.0 sieht bereits jetzt schon eine Kombination aus regenerativen Blockheizkraftwerken, Wind- und Sonnenenergie vor. 

Atomstrom steht hoffentlich bald vor dem endgültigen Aus, und fossil betriebene Blockheizkraftwerke haben eine eher ungewisse Zukunft vor sich. Eine neue Vernetzung ist deshalb wichtig. Sie basiert auf regenerativen Stromerzeugern und ausreichend Speichermöglichkeiten der gewonnenen Energie für kurz- sowie langfristigen Bedarf.

Fazit

Wer klug rechnet und dabei vor allem die persönliche Situation genau betrachtet, entscheidet bei der Wahl seiner künftigen Energieversorgung richtig. Die Sicherung des Eigenverbrauchs bei Strom und vielleicht sogar die vollkommene Autarkie bei der Energieerzeugung will jedoch von allen Seiten betrachtet werden.

Da die Einspeisevergütung nicht mehr den Hauptanreiz darstellt, zählen vor allem die Ersparnis an Stromkosten, die Unabhängigkeit von Betreibernetzen und das Umweltbewusstsein bei der Entscheidung für Ihre zukünftige Stromversorung. Welchen Weg Sie, in Anbetracht der politischen Entwicklung und dem Entstehen neuer Technologien, gehen, entscheiden Sie, heute wie morgen.

Unsere Solarexperten stehen Ihnen bei der Planung Ihrer Anlage samt Speicher mit Rat und Tat zur Seite! Lassen Sie sich beraten zu den Möglichkieten auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit – ob nun mit einem unserer Kraft-Pakete oder mit einem sonnenSpeicher – Rufen Sie uns einfach an, um einen Termin zu vereinbaren, oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

Eine erste Renditeanalyse können Sie sich mithilfe unseres Solarrechners erstellen lassen.


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